Nach intensiver Recherche und langer Planung nimmt unser Traum jetzt konkrete Formen an:
Wir wollen zu viert (Andi Pöll, Christian Speer, Marion Wittmann, Bernd Ritschel) die Dolomiten an ihrer breitesten Stelle von Nord nach Süd überklettern.
Unser Motto - wie schon beim erfolgreichen Skitransalp 2009:
"Spaß statt Speed"
Es geht uns nicht um Rekorde, es geht uns darum, ein authentisches Abenteuer in einem Team von guten Freunden zu erleben.
Unsere ganz individuelle "Perfect Line" führt uns auf die größten und höchsten Gipfel der Dolomiten, führt uns auf klassischen Routen durch steile Felswände und über viele atemberaubend schöne Höhenwege.
Zudem ist die Tour geographisch gerade hochaktuell: am 26. Juni 2009 wurde die Dolomiten in weiten Teilen zum UNESCO-Weltnaturerbe ernannt.
Ein großes Dankeschön an dieser Stelle unseren Ausrüstungssponsoren Leki , Petzl , Gregory und Satmap.
Der Dolomiten Cross hat am 25 August begonnen und wurde am 5. September beendet.
Tag 12: Sonntag, 5. September
Wir sind vom Passo Cereda auf dem Dolomitenweg Nummer 2 über die Forcola di Comedon zum Rifugio Boz (1718 m). Dann weiter auf einem Aussichtskamm, von dem wir zum Riifugio Piaz (1993 m) und dem Ort Croce del Aune (1015 m) hinabgestiegen sind. Eine Monsteretappe mit 35 Kilometern und 2300 Höhenmetern. Nachdem die Wetterberichte immer schlechter werden und wir den ganzen Tag bei bedecktem Himmel gelaufen sind, haben wir beschlossen, gleich abzusteigen zu unserem Zielort Aune bei Feltre.
Wir sind überglücklich und hatten eine Traumtour: 12 perfekte Tage am Berg.
Tag 11: Samstag, 4. September
Wir sind vom Rifugio Velo della Madonna über die Schleierkante auf die Cima della Madonna und geklettert. Es hat super geklappt, wir hatten ein halbtägiges Schönwetterfenster. Und das haben wir genutzt. Der Fels bietet eine gigantisch schöne Kletterei im festen Kalk, 12 Seillängen bis zum fünften Schwierigkeitsgrad. Aber alpin abgesichert, nur ab und an eine Rostgurke von Haken, und es war eiskalt. Am Gipfel schien sogar die Sonne. Wir sind dann einige Seillängen abgeseilt und abgeklettert und haben in der Hütte eine große Brotzeit gemacht.
Von der Hütte sind wir südwestlich des Cimerlo (2503 m) abgestiegen ins Valle dei Canali, haben es gequert und sind aufgestiegen zum Passo Cereda (1361 m). Wir sind dort im Rifugio Cereda. Es war ein langer Tag. Wir sind heute nur 1000 Höhenmeter und 16 Kilometer plus 1800 Höhenmeter Abstieg gelaufen, aber mit der Kante war es ein ausgefüllter Tag.
Tag 10: Freitag, 3. September
Heute sind wir von der Mulazhütte bei gutem Wetter auf dem Dolomitenweg 2, der hier Sentiero delle Farangole heißt, über den Passo delle Farangole (2932 m) mit Klettersteigeinlage zum Rifugio Rosetta alias G. Pedrotti (2581 m) gewandert.
Wir haben dort Brotzeit gemacht, sind kurz auf dem Höhenweg weiter und dann über drei Klettersteige zum Rifugio Velo della Madonna (2358 m) gequert, um morgen die Schleierkante an der Cima della Madonna (2752 m) zu machen. Die letzten 3 Stunden hat es geregnet, es war ein wenig unangenehm.
Aber trotzdem sind wir recht gut über die Klettersteige gekommen. Wir sind heute 14 Kilometer und 1300 Höhenmeter in sechs Stunden gelaufen, also eine mittlere Etappe. Die Hütte ist wunderschön. Wir sind guter Dinge, dass das Wetter morgen gut wird, so dass wir die Schleierkante klettern können.
Tag 9: Donnerstag, 2. September
Heute war unser längster Tag. Wir sind 30 Kilometer und etwa 2300 Höhenmeter gelaufen. Immer auf und ab bei schönem, aber windigem Wetter. Ich konnte dabei viele Fotos machen. Vom Sentiero Italia haben wir einen Abstecher zum Sasso Vernale (3054 m) gemacht. Die Südwand der Marmolada sah von hier aus wie erwartet: Die Rinnen und Kamine voll Schnee. Gut,dass wir gleich auf eine Klettertour verzichtet haben. Im Rifugio Fuchiade sind wir auf ein zweites Frühstück mit Spiegelei und Speck eingekehrt und dann über den Passo San Pellegrino (1919 m) und den Monte Pradazzo (2279 m) zum Passo di Valles (2031 m) marschiert. Dort haben wir uns bei heißer Schokolade und Kuchen erfrischt und sind an der Cima Venegiota vorbei aufgestiegen zum Rifugio Mulaz (Rif. Volpi al Mulaz, 2560 m). Dabei hatten wir die Cimon della Pala (3184 m) vor Augen, deren Nordkante oben verschneit und deren Risse vereist waren. Rund um unsere Hütte ist es auch nicht anders, und es weht ein kalter Wind.
Tag 8: Mittwoch, 1. September
Der perfekte Tag! Wir sind vom Pordoijoch in der Morgendämmerung auf dem Bindelweg, einem Panoramaweg, aufgestiegen und hatten einen wunderbaren Sonnenaufgang. Bei bestem Wetter sind wir dann rübergewandert zum Lago di Fedaia (am Fuß der Marmolada; 2053 m). Nach Aufstieg zum Rifugio Pian dei Fiacconi (2625 m) haben wir eine Querung unter dem Mamoladagletscher (Ghiacciaio della Marmolada) nach Westen gemacht. Der anschließende Aufstieg über den Gletscher zur Forcola Marmolada (2910 m) war tief verschneit (20-30 cm Neuschnee), so dass wir ohne Steigeisen problemlos hochgekommen sind. Der Aufstieg wäre bei Blankeis mit unseren relativ leichten Schuhen kritisch gewesen.
Der Marmolada-Klettersteig über den Westgrat war gigantisch schön, wolkenloser Himmel, aber leider total vereist und verschneit. Auch die Bänder und Kamine der oberen Südwand waren voller Schnee. Unsere geplante Kletterroute durch diese Wand können wir vergessen! Schließlich erreichten wir mit der Punta Penia (3342 m) den Hauptgipfel der Marmolada. Im Gipelhaus teilt uns der Wirt mit, dass heute der schönste Tag des ganzen Sommers ist. Dabei sind die Bedingungen winterlich, im Norden ist der gesamte Alpenhauptkamm vom Ortler bis zum Großglockner tief verschneit wie im Winter.
Die Luft ist kristallklar, mit Blick nach Süden bis zur Poebene und der Adria. Wir sind dann über den Westgrat zurückgegangen, sehr vorsichtig wegen der Vereisung, und über die Marmoladascharte nach Süden abgestiegen zum Rifugio Contrin (2016 m). Heute sind wir über 1800 Höhenmeter und knapp 20 Kilometer gelaufen. Wir sind begeistert und glücklich. Morgen gehen wir über den Pellegrinopass und den Passo Valles weiter zur Pala. Wir hoffen, dass es dort weniger geschneit hat.
Tag 7: Dienstag, 31. August
Heute wollten wir vom Sellajochhaus den Piz Boé in der Sellagruppe über den Pößnecker Klettersteig besteigen. Der war noch verschneit, und die Wolken hingen trotz recht guter Wetteransage tief. Also sind wir ein paar Kehren auf der Sellajoch-Straße abgestiegen und in beginnendem Schneefall von Süden übers Val Lastiés aufgestiegen zur Boéhütte (2871 m), wo wir bei dichtem Schneefall eingekehrt sind. Im heulenden Schneesturm haben wir den Piz Boé (3152 m) erreicht und sind über den Südwestgrat abgestiegen. Aus der Schneehölle sind wir dann runter zum Pordoijoch (Passo Pordoi; 2242 m) gelaufen.
Hier unten, um die Albergo Savoja, sind die Wiesen grün, die Wolken reißen auf und werden vom Föhnsturm weggeblasen. Morgen wollen wir zur Marmolada und versuchen, über die Ferrata Marmolada am langen Westgrat aufzusteigen. Erfahrung mit verschneiten und vereisten Klettersteigen haben wir ja jetzt.
Tag 6 :
Montag, 30. August
Der heutige Schlechtwettereinbruch kommt uns gerade Recht. Wir sitzen entspannt in der Stube des Sellajochhauses, planen für die nächsten Tage und schauen zu, wie draußen der Schnee wächst.
Tag 5: Sonntag, 29. August
Wie sich herausstellt, ist die Bewertung IV+ im steilen Dolomitenfels der Langkofel-Nordkante schwieriger als üblich. Man sollte also bei dieser Klettertour deutlich mehr als einen Vierer draufhaben. Dazu gibt es kaum Haken, bei vielen Vierer-Seillängen nur einer auf 45 Meter. Der Kalk ist teils brüchig und noch nass von dem Regen vorgestern. In den nordseitigen Schlüsselseillängen hängen sogar Eiszapfen. Eine alpine Klettertour, die nur selten gemacht wird.
Trotzdem habe ich viel fotografieren können, was die Aufstiegszeit natürlich verlängert hat. Der vierstündige Abstieg vom Gipfel des Langkofels mit langen Passagen im zweiten Schwierigkeitsgrad und neunmaligem Abseilen hat uns noch mal volle Konzentration abverlangt. Im Licht der Stirnlampen sind wir nach einer meiner längsten und aufreibendsten Touren wieder am Sellajochhaus angekommen. Nach 16 Stunden! Am ganzen Langkofelmassiv haben wir keinen Menschen getroffen. Jetzt sind wir völlig erschöpft und brauchen einen Ruhetag.
Tag 4 :
Samstag, 28. August
Bei super Wetter sind wir von Wolkenstein zum Sellajoch (2244 m) aufgestiegen. Hier wollten wir eigentlich am Nachmittag eine Ruhepause einlegen. Dann sah aber der Kalkfels an den Sellatürmen so rau und gut aus, dass wir gleich in eine bohrhakengesicherte 6b-Route, also einen Siebener eingestiegen sind: Die neue "Delenda Carthago" mit sechs Seillängen. Danach sind wir zum Sellajochhaus (2180 m), von dem aus wir morgen die Langkofel-Nordkante machen wollen. Die ist einer der längsten Dolomitenklassiker, mit 1000 Höhenmetern und 1500 Klettermetern.
Tag 3 : Freitag, 27. August
Für heute hatten wir uns eigentlich eine alpine Kletterroute vorgenommen, den Livanos-Pfeiler, eine Route die trocken gewesen wäre. Der Wetterbericht war aber schlecht, er sagte bereits ab Mittag schwere Gewitter voraus so dass wir noch vor Sonnenaufgang aufgebrochen sind. Es waren uns aber schon in der Dämmerung zu viele Wolken am Himmel. Wir haben uns deshalb spontan gegen diese Route entschieden, die hätte incl. Abstieg sieben oder acht Stunden gedauert. Wir haben stattdessen auf zwei Klettersteigen den Sass Rigais (3025 m; Hauptgipfel der Geislergruppe) überschritten. Das hat sich auch gelohnt, denn wir hatten am Gipfel eindrucksvolle Wolkenstimmungen, tolles Licht und waren natürlich allein am Gipfel. Dann sind wir im Eiltempo abgestiegen und waren schon um 10 Uhr wieder an der Regensburger Hütte.Nach dem Abstieg nach Wolkenstein (1563 m; im Grödner Tal) hat es dann am Nachmittag geschüttet und gewittert.
Morgen gehen wir dann zum Sellajoch (2244 m) und machen dort ein paar Sportkletterrouten (mit einigen Seillängen und Bohrhaken). Nach wieder knapp 25 Kilometern - und die im Eiltempo - brauchen wir einen ruhigeren Tag. Für Sonntag haben wir dann die Langkofel-Nordkante geplant. Die Wetterberichte sind jetzt sehr sehr gut, es sollte also klappen und wir freuen uns auf steile Felsrouten.
Tag 2 :
Donnerstag, 26. August
Heute früh sind wir kurz nach einem super Sonnenaufgang von der Maurerberghütte gestartet. Um den prachtvoll dastehenden Peitlerkofel zogen noch Nebelschwaden. Übers Würzjoch sind wir zum Peitlerkofel gegangen und via Klettersteig hochgestiegen.
Super Wetter mit perfekter Fernsicht vom Großglockner über die Zillertaler Alpen bis zum Ortlergebiet. Wir sind dann abgestiegen zur Schlüterhütte, haben dort Mittag gemacht und sind in einer langen Höhenwanderung um die Geislergruppe herum zur Regensburger Hütte (2037 m) auf deren Südseite gewandert. Hier werden wir unsese zweite Nacht verbringen. Morgen probieren wir den Livanos-Pfeiler in der Geislergruppe. Uns geht es supergut, obwohl wir heute wieder etwa 1700 Höhenmeter und 23 Kilometer Wegstrecke gelaufen sind.
Tag 1 :
Mittwoch, 25. August
Wir sind den ersten Tag unterwegs. Das Wetter ist relativ gut, nur ein paar Wolken und angenehme Temperaturen. Wir sind heute von Vintl (756 m; nahe dem Ausgang des Pustertals) zur Maurerberghütte (2130 m) oberhalb vom Würzjoch gelaufen, das sind 25 Kilometer und 1800 Höhenmeter auf einem wunderschönen Höhenweg (wo man erste Eindrücke der Dolomiten erhält). Wir sitzen gerade auf der Hüttenterrasse und schauen rüber auf den Peitlerkofel (2875 m) im Naturpark Puez-Geisler.
Die Nordwand ist noch nass von dem Starkregen letzte Nacht. Wir haben uns deshalb entschlossen, auf die geplante Klettertour zu verzichten. Morgen gehen wir von Süden über den Klettersteig auf den Peitlerkofel. Und da die Nordwände nass sind, haben wir uns für übermorgen den Livanos-Pfeiler, benannt nach einem berühmten französischen Kletterer, auf der Südseite der Geislergruppe als nächstes Kletterziel ausgesucht.